Zwar ist die Zeit vorbei, als Zehntausende dem Karnevalsumzug in Hessisch Oldendorf entgegenfiebert haben, in der Stadthalle große Bälle mit über eintausend-köpfigem Narrenvolk gefeiert worden sind, als alljährlich an Altweiberfasnacht die Hexen, angeführt von der jeweiligen Faschingsprinzessin, die Straßen der Weserstadt unsicher gemacht haben und auch den 1972 gegründeten Oldendorfer Carneval Club gibt es seit fast zehn Jahren nicht mehr. Auch den Hexenzug gäbe es nicht mehr, wären da nicht einige engagierte "Weiber" gewesen.
„Hessisch Oldendorf, Helau!“ Der Schlachtruf, der für eine Weile verstummt war, klingt seit drei Jahren wieder hoffnungsvoll durch die Straßen der Kernstadt. Die Hexen sind los - eine kleinere Gruppe als zu Zeiten, als der OCC noch zu großen Karnevalsveranstaltungen eingeladen hat, ist mit Scheren unterwegs und macht Jagd auf Männer mit Schlipsen. Sie machen auch vor dem Rathaus nicht halt.
Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus rotten sich die Weiber zusammen. Um 11.11 Uhr sind sie nicht mehr zu halten, der Sturm aufs Rathaus beginnt.© Peter Jahn
Noch können die Hexen auf der Rathaustreppe aufgehalten werden.© Peter Jahn
„Oh weh“, klagt Bürgermeister Tarik Oenelcin beim Anblick der wilden kreischenden Horde auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Auch wenn er einen Augenblick überlegt, sich in Sicherheit zu bringen, „zu spät, da gibt es keinen Fluchtweg mehr – ich muss mich den Hexen stellen“, gesteht er kleinlaut ein. Und da sind auch schon die ersten im Haus, mit lautem „Helau“ die Treppe nach oben gestürmt und mit einem schnellen Schnitt die Krawatte kaum noch halblang. Die Hexen haben ihn umringt, ein Herz auf die Wange gemalt und die eine oder andere „meinen Bürgermeister“ herzhaft gedrückt. Da kann ihm auch das Team der Stadtverwaltung, das dem Bürgermeister bei der Erstürmung des Rathauses zur Seite steht, nicht mehr helfen.
Noch hat Bürgermeister Tarik Oenelcin den Stadtschlüssel fest in der Hand.© Peter Jahn
Mit einem Glas Sekt sind die wilden Weiber gleich sanft gestimmt.© Peter Jahn
Einige Kolleg*innen haben im Vorfeld alles für den Empfang der Hexenschar organisiert. Kalte und wärmende Getränke und leckere Häppchen, da bleibt Tarik Oenelcin nur die Aufforderung: „Greift alle zu und lasst es euch schmecken.“ Gesagt, getan und nach etwas mehr als einer Stunde ziehen die Weiber mit ihren Besen weiter.
Übrigens rotten sie sich an diesem Tag abends in der Sporthalle in Rohden noch einmal zusammen zum. „Hexenball“ beim TuS Rohden-Segelhorst. In im Dorf nördlich der Kernstadt feiern schon seit Jahrzehnten Kinder, Jugendliche und Erwachsene ausgiebig Karneval, so auch an diesem Wochenende. Kinder in der Stadt: Aufgepasst, Bürgermeister Oenelcin hat noch einen heißen Tipp: „Am kommenden Samstag sind alle Mädchen und Jungen aus unserem Stadtgebiet von 11 Uhr bis 13 Uhr ins ForumHO zur bunten Faschingsparty eingeladen.“ DJ Rascal legt kindgerechte Lieder auf und wird damit ebenso für tolle Stimmung sorgen wie Clown Dim Dim, der wieder seinen bunten Koffer mitbringt.