Einmal abgesägt, ist oft nicht an Ersatz gedacht worden. So wirkt heute die Landschaft bisweilen ausgeräumt. Das kann man bedauern, es gibt aber auch die Möglichkeit, etwas dagegen zu tun. Da kommen die Stadt Hessisch Oldendorf und auch Privatpersonen wie beispielsweise Karsten Jürgens ins Spiel.
Simone Breuer und Karsten Jürgens auf der neu angelegten Obstbaumwiese unterhalb des Rumbecker Berges.© Stadt Hessisch Oldendorf
Vor einigen Jahren hat er mit Freunden oberhalb von Barksen auf einem 3600 Quadratmeter großen Grundstück unterhalb des Weges am Waldrand des Süntels eine Streuobstwiese angelegt. In diesem Frühjahr hat der Architekt aus dem Hohensteindorf gemeinsam mit Simone Breuer wieder den Spaten in die Hand genommen und auf der anderen Seite Hessisch Oldendorfs am Rumbecker Berg auf rund 1500 Quadratmetern die Wurzelballen weiterer 17 alter Obstsorten, von Walnussbäumen, Esskastanie, Elsbeere und Mispel in die Erde gebracht. Zum Schutz gegen Wild, das gern an Stämmen nagt, schält oder fegt haben Karsten Jürgens und Simone Breuer die Stämme der neugepflanzten Bäume ummantelt.
„Wir wollen die Landschaft bereichern und einen interessanten Lebensraum für Insekten, Wild- und Honigbienen sowie Reptilien schaffen“, betonen sie. Die beiden Naturfreunde halten es auch „für ausgesprochen wichtig, wieder alte Obstsorten anzupflanzen, denn es gilt diese ebenso wie alte Nutztierrassen zu erhalten und wieder zu vermehren“. Mit den alten Obstbäumen ist Blüten- und Fruchtreichtum sowie Lebensraum für einige Tierarten verlorengegangen. Mauswiesel, Siebenschläfer, Gartenschläfer und Fledermäuse sind auf Streuobstwiesen, die übrigens zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas gehören, ebenso angewiesen wie viele Vogelarten.
Im Hessisch Oldendorfer Rathaus freut sich nicht nur Bürgermeister Tarik Oenelcin über „die Privatinitiativen von Menschen in unserer Stadt wie jetzt die von Simone Breuer und Karsten Jürgens“. Das Stadtoberhaupt verweist darauf, dass es auf stadteigenen Flächen selbst auch Streuobstwiesen gibt. So die am Ende des Steinbrinksweges, die im Rahmen der Bauleitplanung für das Industriegebiet als Ausgleichsfläche angelegt worden ist. Eine weitere befindet sich zwischen Fuhlen und Heßlingen. Hinzu kommen eine Vielzahl von Obstbaumreihen, wie Ricarda Petig aufzählt, die im Rathaus für die öffentlichen Anlagen zuständig ist. Eine zieht sich entlang des Weserradweges im Bereich der Oldendorfer Teiche, am Weg zur Kläranlage, von der Landesstraße nach Hohenrode in Richtung Fähre, in Hemeringen und in Segelhorst sowie am Weg zur ehemaligen Fähre in Lachem, in Bensen und Haddessen. „In Rumbeck ist erst kürzlich eine Pflanzung erfolgt“, sagt Gärtnermeisterin Petig. Von der Stadt gepflegt wird auch die Obstbaumanlage in Großenwieden, um die sich die dortige Zukunftswerkstatt kümmert und im Herbst zum Apfelmosten einlädt.